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Ich trage sie selber

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Kompressionsstrümpfe sind zur Behandlung von Krampfadern das Mass aller Dinge. Venenarzt Dr. Hermann Rohner verschreibt sie nicht nur seinen Patienten, sondern trägt sie auch selber.

Weshalb bekommen sehr viele Menschen ­irgendwann in ihrem Leben Krampfadern, die einen früher, die anderen später?

Dr. Hermann Rohner: Es gibt verschiedene Gründe: einmal familiäre, also Vererbung, dann Schwangerschaften und Geburten, und letztlich stehende oder sitzende Lebensweise, also Bewegungsmangel. Krampfadern sind eine chronische Erkrankung. Wer die Anlagen dazu hat, wird sie bis ans Lebensende haben.

Welche Beschwerden deuten auf ein Venen­leiden in den Beinen hin?

Müde, schwere, unruhige Beine. Abendliche Schwellungen, chrüsel, gamsele, wie wenn Ameisen im Bein sind. Auch ein nicht genau beschreib- und lokalisierbares, komisches Gefühl in den Beinen hat mit einem Venenleiden zu tun. Die Beschwerden verschwinden über Nacht und treten im Laufe des nächsten Tages wieder auf. Am stärksten im Sommer und Hochsommer sowie nach längerem Stehen oder Sitzen.

Kann man selber etwas unternehmen, und wann soll man zum Arzt gehen?

Man kann die Beine etwas entlasten. Hochlagern, bewegen, kalt abduschen oder kneipen. Nur: Wer hat schon die Möglichkeit, solche Dinge während der Arbeit zu tun? Ich empfehle, einen Venen-Spezialisten aufzusuchen, der die Situation beurteilen und eine gezielte Behandlung einleiten kann. Eines muss man wissen: Es gibt keinen Zusammenhang zwischen der Grösse von Krampfadern und der Stärke von Beschwerden. Ich kenne beschwerdefreie Menschen, die Krampfadern in der Dicke von Gartenschläuchen haben. Demgegenüber suchen mich oft junge, schlanke Patientinnen mit ausgeprägten Beschwerden auf, obwohl sie nur ganz wenige Krampfadern haben. Es sind alle Kombinationen möglich. Nur der Facharzt kann erkennen, was zu tun ist. Mit einem Ekzem muss man unbedingt zum Arzt.

Und wenn man die Krampfadern nicht ­behandeln lässt?

Das Schlimmste, was passieren kann, sind offene Beine. Krampfadern entstehen aber nicht über Nacht. Sie brauchen Zeit, so dass man rechtzeitig reagieren kann.

Viele Menschen scheuen sich, ihre Krampfadern behandeln zu lassen.

Wer keine Beschwerden hat, oder wer sich nicht am Anblick seiner Krampfadern stört, lässt sie meist nicht behandeln. Würden sie im Gesicht auftreten, wäre das anders. Es geht bei Krampfaderleiden allerdings auch nicht um Leben oder Tod.

Muss man vor einer Behandlung Angst haben?

Nein, wirklich nicht. Der Experte schaut sich die Beine genau an und zeigt die verschiedenen Therapiemöglichkeiten auf. Der Patient entscheidet mit dem Arzt, welche Therapieform für ihn die beste ist.

Worauf muss man sich einstellen, wenn man seine Krampfadern operieren lässt, wird man lange Beschwerden haben?

Ich sage allen meinen Krampfader-Patienten, sie sollen sich nach der Operation viel bewegen. Es gibt nur eine Einschränkung: schwimmen, tauchen und baden sind während zwei Wochen verboten. Langes Sitzen und Stehen sollte man in dieser Zeit auch vermeiden. Sonst kann der Patient alles tun und lassen, was er möchte, vorausgesetzt er trägt die Kompressionsstrümpfe, die ich ihm verschreibe. Auch Sport ist erlaubt, aber nur bis zur Schmerzgrenze.

Kann man Kompressionsstrümpfe tragen, anstatt sich operieren zu lassen?

Wenn Venenklappen nicht mehr richtig schliessen, fliesst das Blut zurück, und es entstehen Krampfadern. Durch das Tragen von Kompressionsstrümpfen können kaputte Venenklappen zwar nicht repariert, aber massiv entlastet werden.

Trägt man auch nach der Operation ­Kompressionsstrümpfe, und weshalb?

Kompressionsstrümpfe wirken den Beschwerden durch Schwellung und Bluterguss, die bei jeder Operation entstehen, entgegen. Auch ein mögliches Nachbluten wird verhindert. Nach der Operation empfehle ich das Tragen von Kompres­sionsstrümpfen für drei Wochen am Tag und in der Nacht. Für weitere drei Wochen nur noch tagsüber. Danach würde ich jedem ans Herz legen, ein Leben lang Kompressionskniestrümpfe zu tragen. Es gibt kein anderes Mittel als Kompression, um der Neubildung von Krampfadern entgegenzuwirken.

Viele Menschen müssen sich ihre Krampfadern nach Jahren noch einmal operieren lassen. Hat der Arzt dann etwas falsch gemacht?

Nicht unbedingt. Ausser, er habe den Patienten nicht richtig über die chronische Venenschwäche aufgeklärt. Jeder Mensch hat im Körper Arterien, Venen und Lymphgefässe in der Gesamtlänge von 120 000 bis 160 000 Kilometern. Es ist unmöglich, Krampfadern so zu behandeln, dass keine mehr entstehen. Wobei zu präzisieren ist, dass Venen meist bedenkenlos entfernt werden können. Arterien und Lymphgefässe darf man hingegen niemals entfernen.

Tragen Sie selber auch Kompressionsstrümpfe?

Ja, ich trage seit 1996 jeden Tag Kompressions­strümpfe, auch am Wochenende. Beim Sport – ich jogge jede Woche etwa 40 Kilometer – nehme ich Running-Socks. Seit ich die Kompressionsstrümpfe regelmässig trage, habe ich keine Beinbeschwerden mehr, selbst nach langen Operationstagen im Stehen und Sitzen nicht. Krampfadern sind bei mir deshalb keine sichtbar.

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