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Kommunikation mit Jugendlichen

Pubertät wp

Besser kommunizieren Teil 6. Prof. Jürgen Steiner von der Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik in Zürich nennt Erste-Hilfe-Regeln für das schwierige sprachliche Miteinander zwischen Eltern und Kindern in der Phase der Pubertät.

 

  • Das Schweigen im Walde: Wenn das Gespräch versiebt und sich der Kontakt reduziert, nehmen Sie das als Eltern nicht persönlich. Sehen Sie es so: Fragen bedrängen, Ihr Redebeitrag ist im Moment nicht so attraktiv, und Ihr jugendliches Gegenüber braucht Phasen der Meditation.
  • Erwartungen: (Häufige oder schnelle) Enttäuschung ist eine logische Folge der (überzogenen) Erwartung. Wenn Sie die Erwartung haben „Mein Ziel ist, im gleichen Raum sein zu können ohne Streit“, mindert das die Wahrscheinlichkeit einer Enttäuschung.
  • Liebe zeigen: Zeigen Sie, dass Sie ihr nun erwachsen werdendes Kind mögen ohne grosse Worte. Hier mag ein Kommentar wie „Hey, coole Mütze“ oder ein mit Kräutern dekoriertes, leckeres Tellergericht aussagefähiger sein als ein „aufgezwungenes Zwiegespräch“.
  • Mitmachen erlaubt: Redewendungen aus der Sprache der Jugendlichen können Sie dosiert aufgreifen, wenn Sie Freude daran haben (entgegen sonst üblicher Ratschläge).
  • Entstressen: Jugendliche haben eine temporäre Kontroll-Allergie. Ausserdem haben sie ein Kapazitätslimit, ihr Verhalten an einen wünschenswerten Familienmodus anzupassen. Seien Sie also nachsichtig.
  • Regeln: Statt einer Flut von Regeln, sollten alle Familienmitglieder – sofern das möglich ist – überlegen, welche drei Regeln so wichtig sind, dass sie festgehalten werden sollten (z.B. „Wir wollen uns vertragen“, „Der Esstisch ist eine handyfreie Zone“ usw.).
  • Durchzug im Ohr: Wenn Ihr jugendliches Gegenüber einen unflätigen Sprachgebrauch pflegen möchte und Wert darauf legt, seine Äusserungen mit Flüchen oder Beleidigungen anzureichern, konzentrieren Sie sich nur auf die Sachinformation und gehen auch nur auf diese antwortend ein.
  • Yin und Yang: In der Kommunikation mit Jugendlichen ist der Lernauftrag an die weibliche Seite in uns: Schützen, Dramatik reduzieren, Bewahren einer achtsamen Sprache. Der Lernauftrag an die männliche Seite ist: Besonnenheit, Eindeutigkeit, Zorn eindämmen, keine fertigen Lösungen präsentieren, nicht insistieren. Mama und Papa tragen jeweils weiblich und männlich in sich.
  • Smalltalk: Plaudern, zum Beispiel während der Autofahrt, ist doch super. Befreien Sie sich von jedem Anspruch des Tiefgangs in Gesprächen. Einem gewissen Drive zur Tiefe dürfen Sie im Sinne eines Auslotens dennoch folgen.
  • NEIN: Dort, wo Verbote unumgänglich sind, sprechen Sie diese aus. Vermeiden Sie jedoch endlose Wiederholungen von Begründungen. Vorfahrt vor dem Verbot hat allerdings zunächst das Prinzip „Fünfe gerade sein lassen“.
  • Sorry: Verlangen Sie eine Entschuldigung, indem Sie sagen „Hier erwarte ich eine Entschuldigung von Dir“. Wenn Ihr Gegenüber sich daraufhin entschuldigt, ist das gut, wenn er sich nicht entschuldigt, ist es aber auch gut. Sie haben Flagge gezeigt. Kein weiteres Zetern und Einfordern bitte. Machen Sie, falls nötig, auch Gebrauch davon, sich selbst bei Ihrem Jugendlichen zu entschuldigen.
  • Gorilla: Brüllen Sie nicht mit. Schützen Sie sich. Bei Problemen ist es gut, sich vom Affekt zu lösen, sich zu vertagen und dann das Ganze noch einmal anzusehen.
  • Schluss mit lustig: Das Hausrecht hat immer Vorrang vor der Autonomie, die sich aus der Volljährigkeit ableitet. Wenn Ihr Junge auf dem Balkon mit seinen Homies in Ihrem Haus ein spezielles Pfeifchen raucht, klopfen Sie höflich an und machen unmissverständlich klar, dass die Versammlung aufzulösen ist. Wenn der Computer zur Droge wird, dürfen Sie auch hier als Hausherr eingreifen.
  • In der Auseinandersetzung, im Konfliktfall, sollten alle Beteiligten ihr Gesicht wahren können. Gegenseitiger Respekt sollte als Grundtonus bleiben oder wiederherstellbar sein. Wenn nicht, zögern Sie nicht, externen Rat zu holen.
  • Law and Order. Beschützen Sie ihr Kind gegen aussen. Bei Anschuldigungen, von wem auch immer, schlüpfen Sie in die Rolle des Verteidigers. Dieser hört aufmerksam beide Seiten und sucht als Schlichter den Kompromiss. Sind Vorwürfe berechtigt, verfehlt eine Entschuldigung Ihres Schützlings seine Wirkung sicher nicht.
  • Nachsicht und Milde. Seien Sie nachsichtig mit sich, mit Ihrem Ehepartner, mit allen Kindern und glauben Sie an die gute Entwicklung. Pflegen Sie als Vorbild die Haltung: „Ich verbreite gute Laune.“

 

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Prof. Dr. habil. Jürgen Steiner HfH MitarbeiterInnen 2013

www.hfh.ch