100’000 Schweizer Kinder haben alkoholkranke Eltern

Aus Loyalität zu ihren Eltern verschweigen die meisten Kinder ihre Not. Eine Aktionswoche soll das Tabu brechen.

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Wenn ein Elternteil alkoholabhängig ist, leidet die ganze Familie, besonders die Kinder. Das Klima ist angespannt, konfliktbeladen und unberechenbar. Die Kinder sind jeden Tag mit Angst, Scham, Schuldgefühlen, Unsicherheit und nicht zuletzt mit Isolation konfrontiert.

 „Mittags ist es unterschiedlich: Manchmal ist niemand zu Hause, dann muss ich mein Mittagessen alleine zubereiten mit dem, was da ist. Manchmal ist meine Mutter zu Hause, aber schon total betrunken und hört laute Musik, telefoniert, oder schreit mich grundlos an. Ich habe von Anfang an Angst, weil ich nicht weiss, was jetzt noch alles kommt“, sagt ein betroffenes Kind.

 „In der Freizeit, in der andere sich treffen, spielen, irgendwo hingehen, mache ich den Haushalt. Ich putze, wasche, kaufe ein. Ich muss selber für meine Hygiene schauen. Selber schauen, wann ich frische Kleider anziehe. Dabei habe ich aber nur zwei Pullover im Winter zur Verfügung“, erzählt ein anderes.

Sechsmal höheres Risiko für Erkrankung

Kinder von alkoholabhängigen Eltern sind stark gefährdet, später selbst zu erkranken. Im Vergleich zu Kindern aus Familien ohne Suchtproblematik haben Kinder von alkoholabhängigen Eltern ein sechsmal höheres Risiko für eine Sucht oder eine psychische Erkrankung.

Kinder aus suchtbelasteten Familien lieben ihre Eltern und wollen sie schützen. Umgekehrt wollen auch suchtkranke Eltern gute Eltern sein und verheimlichen aus Angst und Scham ihre Krankheit.

Kinder tragen Last

Deshalb wird die schwierige familiäre Situation meist geheim gehalten, und die Kinder tragen die Last dieses Geheimnisses während der ganzen Kindheit. Ihr Leiden wird deshalb oft nicht erkannt.

Tabu brechen

Mit der nationalen Aktionswoche soll das Tabu gebrochen und die Öffentlichkeit für die Situation und die Bedürfnisse dieser Kinder sensibilisiert werden. Es soll ein Klima geschaffen werden, in dem Eltern, Kinder, Nahestehende und Fachleute aus dem Schweigen ausbrechen und Unterstützung bekommen.

Für die Romandie steht der bekannte Radio-Moderator Jean-Marc Richard als Botschafter der Aktionswoche zur Verfügung, für die Deutschschweiz die Verlegerin Ellen Ringier.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 07.02.2019. Setzte ein Lesezeichen permalink.

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