Schluss mit Stress – die richtige Belohnung

Kampf dem Stress! Gefragt ist mehr Resilienz. Prof. Dr. med. Gregor Hasler von der Universität Freiburg zeichnet den neunfachen Pfad für mehr psychische Widerstandskraft. Teil 5.

Belohnung bei Stress
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Belohnungen bieten einen wichtigen Schutz vor Stressfolgeschäden. Wer den ganzen Tag an der Kasse arbeiten muss, von Kollegen und Kunden kritisiert wird und kaum dabei etwas verdient, hat ein grösseres Risiko, depressiv zu werden als ein Manager, der viel verdient und die Aussicht hat, auf der Karriereleiter aufzusteigen. Die sogenannte Manager-Krankheit ist ein Mythos. In Realität sind Manager im Durchschnitt deutlich weniger depressiv und leiden weniger an Herzkrankheiten als ihre Untergebenen.

Neurobiologisch muss man es sich so vorstellen: Mitten im Gehirn liegt das Hirnbelohnungssystem. Es ist der grosse Gegenspieler des Stresssystems, das heisst, die richtige Belohnung hat das Potential, das Stress-System zu dämpfen. Man denke nur an die Situation, in der ein Vater versucht, seine Tochter aus einem Gletscherspalt zu retten. Seine enorme Energie und Unermüdlichkeit beruht auf der grossen Belohnung, die in Aussicht steht, nämlich seine Tochter zu retten und mit ihr noch viele Jahre verbringen zu können.

Belastungen mit Belohnungen kombinieren

Aus all diesen Gründen ist es wichtig, Belastungen mit Belohnungen zu kombinieren. Bei der Wahl der Belohnung gibt es zwei wichtige Kriterien. Kurzfristig versus langfristig: Eine typische Belohnung nach einem harten Tag in der Schule oder bei der Arbeit ist das Bier am Abend. Das hat den Vorteil, dass es immer zur Verfügung steht und dass man es sich unabhängig von der Belastung immer gönnen kann. Abhängigkeit und Bierbauch sind die Nachteile. Menschen, die einseitig auf kurzfristige Belohnungen setzen, habe eine geringe Resilienz. Solche Belohnungen haben auch ein Suchtpotential. Schulabschlüsse, berufliche Meilensteine, Visionen, Freundschaften und Paarbeziehungen gehören zu den langfristigen Belohnungen, welche die Resilienz stärken.

Materiell versus intrinsisch: Studien zeigen, dass wir uns zunehmend auf materielle Belohnungen konzentrieren, zum Beispiel sportliche Autos oder elegante Taschen. Dies auf Kosten von sogenannten intrinsischen Belohnungen wie persönliche Erfüllung, innere Unabhängigkeit und moralisch hochstehende Leistungen. Dieser Wandel schwächt nachweislich die Resilienz. Es lohnt sich deshalb, intrinsische belohnende Dinge zu tun.

Depression Gregor Hasler 62

Lesen Sie  auch Teil 1, 2, 3, 4, 6, 7, 8 und 9 der Serie von Prof. Hasler.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 26.08.2021.

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