Diese Träume machen mich verrückt

Nachts Ski fahren, der verstorbene Mann am Tisch, die Bäume verdecken die Sonne. Liliana Jenni, 81, will, dass ihre Vergangenheit sie endlich in Ruhe lässt und das Beste aus dem Rest ihres Lebens machen.

Träume
Bild: AdobeStock, Urheber: A. Kiselev

Seit Jahren habe ich immer dieselben Träume. Nun bin ich 81, allein, geistig normal. Mein Leben ist abwechslungsreich mit Sport, Senioren-Uni, PC und immer wieder neue Kochrezepte ausprobieren. Ich bin stets unterwegs, also nicht depressiv zu Hause.

Mein erster Traum:

Immer wieder abends im Schnee Ski fahren. Die Familie ist dabei. Meine beiden Söhne im Alter von 8 und 10 Jahren. Und oft auch mein Mann. Der Schnee ist hart, oder es hat fast keinen mehr und ich muss die Spur suchen. Aber immer ist es Nacht, die Piste beleuchtet. Ich bin nie so gern Ski gefahren und hatte immer Angst vor Unfällen. Mit der Familie bin ich immer mit, aber nur bei Sonnenschein.

Zweiter Traum:

Seit 60 Jahren wohne ich immer in der gleichen Wohnung. Sie ist voller Erinnerungen. Ich sehe meine Mutter, die im Jahr 2000 im Alter von 98 Jahren gestorben ist, auf ihrem Stuhl sitzen. Ich sehe meinen Mann am Tisch und auch meine Kinder, die seit Geburt hier wohnten. Ich träume, dass ich wegziehen muss. Die neue Wohnung gefällt mir gar nicht. Sie ist zu weit weg von der Stadt. Meistens muss ich durch einen Wald bis zum Haus. Manchmal ist ein See oder ein Fluss in der Nähe. Ich suche ein sonniges Plätzchen. Mein Mann hat dies ausgesucht, ohne mich zu fragen. Ich will zurück, kann aber nicht mehr, da die Wohnung bereits vermietet wurde.

Dritter Traum:

Ich bin unterwegs und will an die Sonne. Dort, wo ich im Sommer immer in der Badi bin, hat es nur noch wenig Sonne. Die Bäume verdecken die Sonne, und wenn ich doch noch ein sonniges Plätzchen finde, ist in wenigen Minuten die Sonne weg. Ich bin sehr sonnenhungrig und bin immer am Fluss oder im Schwimmbad.

Vierter Traum:

Ich war sehr von meiner Mutter abhängig. Ich ging jeden Tag mit ihr spazieren, damit sie Muskeln an den Beinen bekommt und frische Luft. Wenn ich einen Tag ausliess, plagte mich das schlechte Gewissen. Jetzt träume ich davon, dass ich nicht mit ihr draussen war. Ich erwache und bin voller Angst. Da wird mir bewusst, dass ich alleine bin und alles Vergangenheit ist. Ich bin traurig. Meine Mutter ist weg. Mein Mann nicht mehr da. Meine Kinder sind erwachsen. Ich bin allein in der Wohnung.

Diese Träume machen mich verrückt. Ich will sie nicht mehr. Ich möchte leben, und zwar jetzt, und die letzten Jahre vergessen. Ich möchte das, was ist, geniessen, und nicht die Vergangenheit, und das Beste aus meinem Leben machen.

 

Geht es Ihnen ähnlich? Haben Sie einen Ratschlag für Frau Jenni? Dann schreiben Sie uns auf info@doktorstutz.ch

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Liliana Jenni

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 09.01.2020.

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