Es gibt keine peinlichen Fragen

Viele Männer sind ziemlich sprachlos, wenn es um Sex geht.  PD Dr. med. Alexander Müller, Chefarzt Klinik für Urologie, Spital Limmattal, beantwortet 10 Fragen, die Männer lieber nicht stellen wollen.

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Bild: AdobeStock, Urheber: pathdoc

1. Bei mir klappt die Erektion nur noch, wenn ich eine dieser Pillen nehme. Dabei bin ich jung und kerngesund. Habe ich eine Blockade?

Wenn die Erektionsfähigkeit dauerhaft und situativ unabhängig oder sogar bei Masturbation eingeschränkt ist, spricht das eher dafür, dass gewisse Signale nur noch mit einer Potenztablette stark genug sind. Wenn die Erektionsfähigkeit sehr wechselhafte Qualität zeigt, kann das durch einen situativ unterschiedlichen Adrenalinspiegel infolge Anspannung oder Stress bedingt sein.

2. Morgens beim Aufwachen habe ich eine harte Erektion. Meine Freundin findet das gar nicht toll, da sie glaubt, dass ich von anderen Frauen träume.

Morgendliche bzw. nächtliche Erektionen sind normal und treten gekoppelt an die REM-Schlafphasen zwei bis acht Mal pro Nacht auf. Solche Erektionsphasen dauern mindestens zehn Minuten, und der Penis erreicht dabei eine Erektionsstärke von mindestens 60 Prozent.

3. Kann ich meinen Penis verlängern, indem ich ihn öfters in die Länge ziehe? Oder geht das maschinell? Ich habe das Gefühl, mein Glied sei einfach nicht genügend lang.

Durch manuelle Beübung oder gar die Anwendung von Vakuumpumpen oder Penisexpandern kann zwar der Penis gedehnt werden, aber Länge und Dicke des Penis sind anatomisch vorgegeben und lassen sich nicht nachhaltig verändern.

4. Mein Arzt hat mir ein erektionsförderndes Medikament verschrieben. Ich schäme mich, das Rezept vor den Augen der jungen Pharmaassistentinnen einzulösen. Kann ich mir diese Pillen nicht einfach übers Internet besorgen?

Vorsicht vor unseriösen oder dubiosen Anbietern im Internet! Counterfeits können sehr gefährlich sein, da nicht sicher ist, was in solchen Pillen enthalten ist. Rezeptpflichtige Medikamente sollten durch den Arzt oder die Ärztin abgegeben oder in der Apotheke bezogen werden. Auch eine junge Pharmaassistentin wird ein Rezept für erektionsunterstützende Medikamente mit grösster Professionalität, Diskretion und Respekt entgegennehmen.

5. Eigentlich würde es mit der Erektion bei mir ja recht gut klappen. Bis zu dem Moment, wenn ich mir ein Kondom überstreifen will. Dann bricht die ganze Herrlichkeit in sich zusammen. Was soll ich tun?

Safer Sex ist absolut zu befürworten. Daher sollte je nach partnerschaftlicher Situation unbedingt von Kondomen Gebrauch gemacht werden. Versuchen Sie, den lustvollen Umgang mit dem Kondom so zu integrieren, dass dies nicht zum Nachteil wird, oder lassen Sie sich das Kondom überstreifen.

 

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PD Dr. med. Alexander Müller, Chefarzt Klinik für Urologie, Spital Limmattal

6. Ich habe hohen Blutdruck und Diabetes. Das schlägt sich auch auf den Sex nieder. Die teuren Pillen für eine bessere Erektion kann ich mir finanziell nicht leisten. Ist eventuell ein Penisring etwas für mich? Oder eine Penispumpe?

Beides sind, neben Übergewicht, erhöhten Blutfetten und Rauchen, wesentliche Risikofaktoren für Erektionsstörungen, aber auch für Arteriosklerose im Allgemeinen und damit für ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall etc. Probleme mit der Erektion sind oft ein frühes Warnsignal.

Alternativen zu den Potenztabletten können Prostaglandin E1 sein, als Gel für die Harnröhre oder als Penisspritze, wobei hier Schulung und Instruktion notwendig sind. Ein Penisring, der aber auf keinen Fall aus Metall bestehen darf, kann in Verbindung mit einer Vakuumpumpe ebenfalls als Hilfsmittel dienen.

7. Ich gehöre zu den vielen unglücklichen Männern mit vorzeitigem Samenerguss. Was gibt es für einfache Hilfen, wenn man kein Freund von Psychoseminaren ist?

Strenggenommen spricht man von einer Ejaculatio präcox, wenn der Samenerguss innerhalb von einer Minute erfolgt und praktisch nicht kontrolliert werden kann. Es wird dabei eine primäre – schon immer so gewesen – von einer sekundären – die erst mit der Zeit aufgetreten ist – unterschieden. Es gibt Gründe wie Infekte der Prostata, Schilddrüsenfunktionsstörung etc., die eine Ejaculatio präcox verursachen oder zumindest verstärken können. Das gilt es abzuklären.

Als Massnahmen kommen die Stop-and-go- oder die Squeeze-Technik in Frage. Man kann ein Lokalanästhetikum auf die Glans auftragen – Vorsicht Übertragung auf das Genital des Gegenübers – oder mit dem Lokalanästhetikum beschichtete Kondome verwenden. Dann gibt es den Wirkstoff Dapoxetin als Tablette, die eine bis drei Stunden vor der sexuellen Aktivität eingenommen wird, was die Zeit bis zur Ejakulation drei bis fünf Mal verlängern kann. Aber Vorsicht bezüglich potenzieller Nebenwirkungen wie Übelkeit, Schwindel und Kopfschmerzen.

8. Es heisst immer, Sex sei das Schönste auf der Welt. Aber ehrlich gesagt, sind meine Orgasmen kein Wow-Erlebnis. Zweitens hinterlassen sie bei mir immer ein schales Gefühl. Bin ich nicht ganz hundert oder geht das auch anderen Männern so?

Sex auf den reinen Orgasmus zu reduzieren würde der schönsten Nebensache der Welt nicht gerecht werden, denn zur Sexualität gehört so viel mehr. Ein Orgasmus wird sehr unterschiedlich erlebt. Die Extremform kann ein Post-Orgasmic-Illness-Syndrom sein. Dabei kommt es bei den betroffenen Männern nach der Ejakulation zu Müdigkeit, Abgeschlagenheit oder Erschöpfungszuständen. Das kann ebenso mit Erkältungssymptomen wie Fieber oder verstopfter Nase einhergehen. Diese Symptome können zwei bis sieben Tage anhalten. Es ist verständlich, dass für Männer, die davon betroffen sind, Sex bzw. Ejakulationen als eher belastend empfunden werden und auch die partnerschaftliche Beziehung beeinträchtigen können.

9. Ich bin 60 Jahre alt. Mit der Erektion klappt es, mit dem Orgasmus auch. Einzig Sorgen bereitet mir das Ejakulat. Als ich jung war, spritze es im Schwall, und das mehrmals hintereinander. Jetzt kommen grad mal ein paar lauwarme Tröpfchen.

Erektionskraft sowie Ejakulationsmenge nehmen mit dem Alter ab, die Refraktärzeit, also der Zeitraum zwischen zwei Ejakulationen, nimmt mit dem Alter zu. Eine Stärkung der Beckenbodenmuskulatur kann hier helfen. Auch ist die Ejakulationsmenge nach mindestens drei Tagen Enthaltsamkeit grösser. Positiven Einfluss auf das Ejakulat haben eine ausreichende Trinkmenge, gesunde Ernährung mit möglichst wenig gesättigten Fettsäuren, Verzicht auf Nikotin und wenig Alkohol.

10. Meine Frau und ich sind kürzlich ganz fest erschrocken. Ich kam bei ihr auf dem Bauch. Und da war das Ejakulat rot gefärbt. Ich habe das noch nie erlebt. Kann das Krebs sein?

Verfärbungen des Ejakulates können von gelblich, grünlich bis rötlich reichen. Eine Hämatospermie, also eine rötliche Blutbeimengung, kann erschrecken, ist aber in den meisten Fällen nicht gefährlich. Als Ursachen kommen eine Infektion von Samenblasen, Prostata, Nebenoden, Harnröhre etc., sexuell übertragbare Krankheiten, ein Trauma, Verletzungen oder eine Operation in Frage. Ganz selten kann eine Hämatospermie durch einen Hodentumor bzw. ein Prostatakarzinom verursacht sein. Daher ist eine ärztliche Beurteilung sinnvoll.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 29.10.2020.

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