Ohne Kinder verliert das Leben seinen Glanz

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Schon mit zwanzig Mutter oder erst mit vierzig? Sabine Fehr, Schauspielerin und Mutter von zwei Töchtern, erzählt von ihren Erfahrungen.

Es war für mich immer klar, dass ich vor 30 Mutter werden wollte. Mit 25 bekam ich meine erste Tochter. Sie war gewünscht, geplant und gut neun Monate später auch schon da. Klar, ich hatte einfach Glück. Dass ich im Tessin Landdienst machte und dort ganz nebenbei bereits mit 20 den Mann fürs Leben fand, dass er 15 Jahre älter ist und dass er auch Kinder wollte, als ich mit 24 bereit für eine Familie war. Dass es dann gleich einschlug und wir gut vier Jahre später auch auf unsere zweite Tochter nicht lange warten mussten. Glück oder Zufall, Berechnung oder Bauchgefühl? Heute antwortet meine inzwischen 13-jährige Tochter auf meine Frage, wann eine Frau Mutter werden sollte: «Also das ideale Alter, Kinder zu haben, ist wie Du Mami!»

Ich konnte mir Zeit nehmen, dieses kleine Menschenkind kennenzulernen, denn mit der Geburt unserer Tochter kamen auch wir als frischgebackene Eltern auf die Welt. Da gab jetzt jemand im wahrsten Sinne den Ton an, und ich hatte doch noch so viele Pläne und Berufsziele. Rückblickend lief für mich alles wie es sollte, aber mit dem Baby im Arm und dem Wunsch, im Beruf als Schauspielerin Fuss zu fassen, war ich manchmal überfordert. Das Glück spielte jedoch mit, und ich hatte immer wieder tolle Rollen- und Jobangebote, die ich mit der Familie vereinen konnte. In den Zeiten, in denen ich weniger arbeite, bilde ich mich weiter, besuche Schauspielseminare, Sprachkurse, nehme Tanz- und Gesangstunden.

Das ist jedoch nur möglich, weil ich einen sehr präsenten Partner habe, der die Kinder übernimmt, wenn ich intensive Proben habe oder für ein paar Tage auf einem Dreh bin. Mit ihm ging für mich ein weiterer Wunsch in Erfüllung, denn ich wollte für meine Kinder einen Vater, der da ist und das nicht nur abends spät oder an den Wochenenden.

Auch das Reisen liessen wir uns nicht nehmen. Mit dem viermonatigen Sonnenschein reisten wir durch Spanien, inklusive Gebrüll im Autositz, wenn sie die Schnauze voll hatte vom langen Autofahren und meinen stillbedingten Hungerattacken, die wir notfallmässig im Burger King abwehrten, da es in Spanien erst um 22 Uhr Abendessen gab, oder unserer Angst, wir könnten das ganze Hotel aufwecken, wenn sie nachts weinte.

Unvergesslich war auch das Erlebnis mit den Putzfrauen, welche «la muneca», die lebendige Puppe, in die Luft warfen, die vor Lachen quietschte oder die ersten Löffel Khaki, die sie im Dezember auf einer Sonnenterrasse in Andalusien mit Genuss probierte.

Auch mit der zweiten Tochter reisten wir früh. Sie badete mit drei Monaten bereits im karibischen Meer von Belize und lernte dort ein Jahr später barfuss im Sand laufen. Klar ist, es gibt so viele Geschichten wie es Frauen beziehungsweise Mütter gibt.

In unserem Familienkreis haben wir ein richtig junges Mami. Sie wurde mit 20 ungeplant schwanger und gestand mir, dass das zuerst ein Schock war. Die Familie ihres Freundes und jetzigen Mannes sowie ihre eigene unterstützte sie jedoch, nachdem feststand, dass sie das Kind behalten wollten. Von ihren Kolleginnen und Kollegen wurde sie nicht verstanden, niemand von ihnen hatte Kinder. Emotional half ihr vor allem ihre Mutter, die mit 19 und 21 ihre ersten Kinder bekommen hatte, sowie ihr Vater. Die Hochzeit und die Geburt des reizenden Sohnes machte aus der ungeklärten Partnerschaft eine Familie, die sich bewährt. Mit der Unterstützung von Grosseltern und Krippe schloss die junge Frau ihre Ausbildung als Pflegefachfrau mit Bestnote ab. Mittlerweile ist noch ein Töchterchen dazugekommen. Zurzeit arbeitet sie 40 bis 50 Prozent als Praxishilfe, und auf meine Frage, wo sie sich in fünf bis zehn Jahren sieht, meint sie, dann würde sie gern auf der Onkologie arbeiten, weil sie da den Menschen am nächsten kommt. Wir sind uns einig, ob geplant oder ungeplant, jung Mutter sein ist cool!

Wie unersetzlich und unbezahlbar Grosseltern sind, wird mir immer wieder bewusst. Als ich ein lukratives Jobangebot bekam, meine Tochter aber erst ein paar Monate alt war, sprang die Mutter meines Partners ein. Sie erzählt mir immer wieder, wie sie die Kleine nächtelang abwechslungsweise mit dem Papa den Flur entlangtrug, und wie dann die aufgetaute, abgepumpte Muttermilch Wunder wirkte. Sie meint, das sei damals kein Problem gewesen, aber jetzt mit über 80 könnte sie das nicht mehr.

Oder als beide Mädchen und ich Magen-DarmGrippe hatten, und ich am Abend im Monodrama als Sylvia Plath auf der Bühne stehen sollte. Ich rief meine Mutter an, die zwei Stunden später vor der Türe stand und alles übernahm, so dass ich mich auf einem kurzen Hundespaziergang vergewissern konnte, dass ich soweit okay war, um in wenigen Stunden in die Rolle zu schlüpfen.

Mittlerweile koche ich einmal in der Woche für die Grosseltern zu Mittag, was sie sehr schätzen, und die Mädchen übernachten oft am Wochenende bei ihnen. Dort geniessen sie andere Freiheiten, und wir Eltern erholen uns im sturmfreien Zuhause. Dass meine Mutter uns ab und zu ermöglicht, einige Tage als Paar wegzufahren, rechne ich ihr hoch an, und in den Sommerferien ist das Haus der Nonni im Tessin für die Kinder ohnehin der schönste Platz auf Erden.

Als ich im Gespräch mit einer Freundin kürzlich schwärmte, wie toll es ist, früh Kinder zu bekommen und wie ich jetzt die Selbständigkeit meiner Töchter geniesse, meinte sie, ich solle unbedingt auch die Vorteile einer späteren Mutterschaft beleuchten. Das kann ich nicht aus eigener Erfahrung, aber aus Erzählungen und Beobachtungen meiner Freunde und Bekannten. Dazu fällt mir die Geschichte einer Freundin ein, deren Kinder gleich alt sind wie meine, nämlich 8 und 13. Ihr Mann wünschte sich schon länger ein drittes Kind, aber sie zögerte. Grund dafür war, dass sie die Babyzeit ihrer beiden ersten Kinder gar nicht richtig mitgekriegt hatte. Ihr Mann noch im Studium, sie schon zwei Monate nach der Geburt der zweiten Tochter wieder bei der Arbeit: Gegenüber ihren Kindern hatte sie oft ein schlechtes Gewissen.

So nahm sie, als sie sich gemeinsam für ein drittes Kind entschieden, Schwangerschaft und Geburt viel bewusster wahr und geniesst jetzt jeden Moment mit dem Baby. Die älteren Kinder schätzen es, dass ihre Mami zuhause ist. Mit der Arbeit will sie nur reduziert weiterfahren. Es ist eine Freude zu sehen, wie gut es ihr und der ganzen Familie geht.

Meine gleichaltrige Primarschulfreundin lernte ihren jetzigen Mann in Madrid kennen, wo sie als Anwältin ihr Spanisch aufbesserte. Ich habe sie dort besucht und ihre neue Liebe kennengelernt. Erst meinte sie, es sei wohl nur eine Affäre, ich spürte aber, dass da mehr dahintersteckt. Nach einigen Jahren Fernbeziehung zog der gebürtige Mexikaner in die Schweiz, und ein Jahr später kam alles auf einmal: ihre Schwangerschaft mit 37, der neue Job für ihn und die Hochzeit. Jetzt ist bereits das zweite Kind unterwegs.

Einem befreundeten Paar wurde der gros­se Kinderwunsch auch noch erfüllt. Lange Jahre lebten beide in einer anderen Beziehung. Doch das Schicksal wollte, dass sich die beiden immer wieder über den Weg liefen, bis sie der wahren Liebe nicht mehr den Rücken kehren konnten. Sie zog bei ihm ein, und das Wunschkind liess nicht lange auf sich warten. Die Liebe und den Stolz dieses Paars über ihre Tochter zu beobachten ist eine wahre Freude. Die frischgebackene Mutter sagte kürzlich: «Weisst du, ohne Kinder verliert das Leben irgendwann seinen Glanz.»

 

Junge Mütter, ältere Mütter – Vorteile und Risiken

von Dr. med. Sabera Mirza, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, Reinach BL

Biologisch gesehen liegt das ideale Alter einer Frau, Mutter zu werden, zwischen 20 und 35 Jahren. Infolge gesellschaftlicher und ökonomischer Veränderungen in den letzten Jahrzehnten bezüglich Karriere, Finanzen, passender Partner etc. steigt das Gebäralter jedoch stetig an. Im Gegensatz dazu hat die Schweiz eine der tiefsten Raten an Teenagerschwangerschaften. Im Vergleich zu älteren Schwangeren haben adoleszente Schwangere einen niedrigeren sozioökonomischen Status. Man führt die meisten Nachteile von jungen Schwangeren auf diese Tatsache und nicht etwa auf biologische Faktoren zurück. Sie verdrängen die Schwangerschaft aus Scham oder mangels Bezugspersonen und gehen später oder gar nicht zum Arzt, was eine unzureichende Schwangerschaftsvorsorge zur Folge hat. Junge Schwangere leben zudem sehr oft ungesund. Sie rauchen mehr, konsumieren mehr Drogen und haben wegen wechselnden Partnerschaften mehr Harnwegsinfekte und Geschlechtskrankheiten und ernähren sich gewöhnlich schlechter als ältere Schwangere. Geburtshilfliche Risiken sind eine höhere Rate an Frühgeburten und untergewichtige Kinder. Es gibt auch Hinweise dafür, dass eine der am meisten gefürchteten Schwangerschaftskomplikationen für Mutter und Kind, die Schwangerschaftsvergiftung, bei sehr jungen Müttern häufiger vorkommt. Hingegen ist die Kaiserschnittrate niedriger. Vermutete Langzeitrisiken für Frauen, die als Teenager Mutter wurden, sind eine erhöhtes Osteoporose-Risiko nach der Menopause und ein Missverhältnis der Blutfette, welches die Arteriosklerose begünstigt.

Frauen, die zuerst ihren beruflichen Werdegang sichern wollen und deshalb erst mit über 35 Jahren ihren Kinderwunsch realisieren möchten, sind meistens finanziell abgesichert und befinden sich in einer stabilen Partnerschaft. Sie planen ihre Schwangerschaft ganz bewusst und bereiten sich zum Beispiel mit der Einnahme von Folsäure und Vitaminen gut darauf vor. Weil jedoch die Fruchtbarkeit mit zunehmendem Alter abnimmt, greifen über 35-jährige Frauen viel häufiger auf reproduktionsmedizinische Massnahmen zurück, die ihrerseits wieder gewisse Probleme bergen, beispielsweise Mehrlingsschwangerschaften. Je älter eine Schwangere, desto höher die Gefahr für Mutter und Kind: Fehlgeburten, Eileiterschwangerschaften, fetale Missbildungen und Wachstumsretardierung, Frühgeburten, Totgeburten, vorzeitige Wehen, starke Blutung bei der Geburt, mehr Kaiserschnitte, erhöhte Rate an Schwangerschaftsvergiftung, mehr Schwangerschaftsdiabetes und viele mehr.

In der Schweiz mit all ihren Möglichkeiten sollten wir uns wieder mehr bewusst werden, dass es für die Frau ein optimales Alter gibt, schwanger zu werden. Eine familienfreundlichere Politik muss darauf hinarbeiten, dies vermehrt wieder in die Tat umzusetzen.

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